Buchrezension: Verbietet das Bauen

Die Kritik am Bauen mehrt sich. Aktuell stößt die Ankündigung der Bundesbauministerin Barbara Hendricks, die Zuschüsse für den Sozialen Wohnungsbau zu verdoppeln, auf Gegenwind – ein opulentes Neubauprogramm lässt den zu sanierenden Gebäudebestand in allen Landesteilen unberücksichtigt. Statt einen Plan zu entwickeln, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen, sollen Neubauten den Bedarf an günstigem Wohnraum decken.

Im August ist ein Buch mit dem provokanten Titel Verbietet das Bauen erschienen. Der Autor Daniel Fuhrhop stellt im Ergebnis 50 Thesen auf, um das Bauen einzudämmen und – zu verhindern.

Das Buch deckt die Ursachen für das ungestoppte Bauen auf und wirft den Blick auf Alternativen. So direkt die Kritik im Detail ist, die Thesen und Vorschläge zur Umgestaltung unserer Städte unter einer unbedingten Einbindung des Bestands bieten einen guten Maßnahmenkatalog, der die Fäden zusammenführt.

Ist das ein Weg in die Postwachstumsgesellschaft? Kritiker des Neubauwahns stellen die Notwendigkeit des neu Bauens ohnehin seit Jahren in Frage, so zum Beispiel das Wuppertal Institut. Sein Direktor Uwe Schneidewind schrieb das Vorwort zum Buch, auch Michael Kopatz befürwortet ein Wohnraum-Moratorium mit dem Ziel, Neubauten für bestimmte Zeit in definierten Regionen auszusetzen. Bei tendenziell gleich bleibender Einwohnerzahl wächst das Bauvolumen dennoch ständig weiter – zur Vergrößerung unseres Pro-Kopf-Bedarfs und aus Lust am Bauen. Dem gegenüber stehen allein 1,7 Millionen leer stehende Wohnungen in Deutschland.

Das Buch kommt zur rechten Zeit – viele Vorschläge lassen sich leicht auf die derzeitige Flüchtlingsproblematik übertragen und bietet schnelle, unkonventionelle Vorschläge zur Unterbringung.

Prädikat: Sehr empfehlenswert!

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Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen – Eine Streitschrift
Verlag: oekom Verlag, München 2015
ISBN: 9 783865 817334
Preis: 17,95 €