Vor der Transformation

Der Vortrag von Boris Sieverts innerhalb der Veranstaltung Kunst und Stadt Ende März war eine wirkliche Bereicherung – selten habe ich so viele Fotos von interessanten, unbemerkten Orten gesehen.

Was aber hatte das mit den Königsplätzen zu tun?

Eine Analogie liegt auf der Hand – die in dem Vortrag von Boris Sieverts gezeigten Orte sind mehrheitlich verschwunden – dies besteht auch den Königsplätzen bevor. Natürlich bedarf es einer Aufwertung, Revitalisierung, Sanierung – dringend. Am Ende verschwindet der einst in einem Guss entstandene Ort oder mischt sich mit den neuen Spuren einer jüngeren Vergangenheit – Fluch oder Segen?

Boris Sieverts attestierte mir in seinem Vortrag, auch ich wäre ihnen zum Opfer gefallen – den Königsplätzen. Die Beschäftigung mit dem Ort verringert die Distanz und nährt gleichzeitig eine  tiefere Sicht auf den Ort – und schon kommt die neutrale Sichtweise abhanden.

Noch kann jede Paderbornerin und jeder Paderborner die architektonisch-stilistischen Merkmale der Königsplätze blind in drei, vier Stichworten benennen. Werden sich diese Kürzel ändern, wenn die Platzbeläge einheitlich erneuert sind und die Fassaden überformt werden? Schon an einzelnen Stellen sieht man, wie sich ein Gebäude verändert, auch wenn man nur eine einzelne Ecke anfasst. Die Kontinuität wird unterbrochen zu Gunsten der Aufwertung einer Einzelsituation.

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Erneuerungsarbeiten am Inselhaus, Mai 2015

Hierhin sehe ich im Übrigen auch eine wesentliche Aussage der zu Ende gegangenen Ausstellung von Lisa Kuntze-Fechner – mit der Auswahl der von ihr gewählten Elemente: dunkelgrüne Deckenverkleidung, Blumenkastenhalter, abgerundete Quadrate, benannte sie das „Zeug“, das die Plätze heute visuell zusammenhält.

Welche Begriffe werden hierfür in 30 Jahren verwendet? Oder gehen die noch als architektonisches Ensemble wirkenden Plätze in der Heterogenität der Umgebung auf?

Stadt eben. Es bleibt spannend.