Die Böhms in Paderborn

Seit Ende Januar ist er in den Kinos: der Film über den Architekten und Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm, sein Wirken und sein Umfeld: Die Böhms – Architektur einer Familie. Paderborn hat ebenfalls die Ehre, eins der Bauwerke Böhms in der Stadt zu haben: das Diözesanmuseum am Domplatz, 1975 eingeweiht und 1992 gemäß konservatorischer Vorgaben umgebaut.

In Paderborn lief der Film nicht im regulären Kinoprogramm – dafür gab es am 23.04.15 in einer Reihe mit Sonderveranstaltungen in Potsdam und Bozen eine Vorstellung unter der Beteiligung des Regisseurs Maurizius Staerkle-Drux.

Hierzu war Peter Böhm, einer der Söhne Gottfried Böhms anwesend, weiterhin Fritz-Gerd Hohmann, Architekt Peter Völse und Domprobst Joachim Göbel.

Der Film ist eine Annäherung an das Schaffen von Gottfried Böhm, er stellt insbesondere seine Arbeit als Architekt mit vielen künstlerischen Techniken und Tätigkeiten in den Vordergrund. Handlungsmittelpunkt ist der Sitz der Familie und ihrer Architekturbüros auf dem Römerberg in Köln, dessen Haupthaus bereits vom Vater Dominikus Böhm erbaut wurde.

Handgezeichnete Pläne und Perspektiven, aus denen nachvollziehbar die Architekturen des Neuen Potsdamer Theaters oder der grandiosen Wallfahrtskirche in Velbert-Neviges entstanden sind, werden begleitet von vielen Bildern, die mit Bauen und Gestaltung assoziiert werden, aus Landschaft, Alltag und Familie. Ein poetischer Film – ungestellte Familienszenen, Gespräche und Alltagssituationen nehmen den Zuschauer sehr nah mit in eine Familie, in der Kunst und Architektur immanente Bestandteile des Lebens sind.

Nach Ende des Films erläuterte der kurz zugeschaltete junge Regisseur Maurizius Staerkle-Drux einige interessante Aspekte zur Entstehung. Seine Nähe zur Familie, viel Zeit beim Drehen und unendliches Filmmaterial sorgten für die großartige Auswahl von Bildern und gut gesetzten Dialogen.

Sodann landeten die BesucherInnen leider sehr ungefedert in der moderierten Diskussion – und damit in der Paderborner Diskussion um das von der Bevölkerung schon von Beginn an verschmähte Diözesanmusum. Die Gründe für die schlechte Rezeption des Hauses wurden noch einmal erläutert und verlesenen Preisgerichtsempfehlungen aus dem damaligen Architekturwettbewerb gegenübergestellt.

Die Chance, den abgerissenen Gesprächsfaden zur Familie Böhm nach dem Umbau und der gänzlichen Veränderung des Paderborner Museums 1992 wieder aufzunehmen und gar über eine mögliche Zukunft der Architektur des Hauses diskutieren, wurde kaum wahrgenommen.

Das Werk von Gottfried Böhm wurde durch seine Auszeichnung mit dem Pritzker-Preis international anerkannt und gewürdigt – der Film zeigt nun die weichen Seiten der Entstehung seiner Werke. In Paderborn wird sein Hause noch immer nicht wirklich geschätzt – der Konflikt in den 70er Jahren hat seine Spuren noch in der nächsten Generation hinterlassen.

Schade um die Gelegenheit – Gottfried Böhm wird im Juli auch vom Bundespräsidenten Joachim Gauck für sein Lebenswerk geehrt – in Paderborn kann es noch etwas dauern, bis sich die Stadt seines Erbes bewusst wird.