Chancenräume Königsplätze

Zwischennutzung der Leerstände an den Paderborner Königsplätzen – ein Projekt nimmt Form an.

Im Sommer hat die Stadt Paderborn ein besonderes Projekt ins Leben gerufen – an den Königsplätzen soll es in Vorbereitung der Umgestaltungsmaßnahmen nun ein neuer Weg begangen werden, um die wechselnd leer stehenden Ladenflächen an den Plätzen zu beleben, und zwar auf Zeit. Ziel ist, die freien Flächen zu nutzen, um Kunst und Kultur, aber auch Studierende oder StartUps in die Innenstadt zu bringen, um mit improvisierten Lösungen und auch teilweise mit dem Ziel der Verstetigung das Stadtbild und die bestehende Handelsstruktur zu ergänzen und zu bereichern.

Auf der einen Seite können interessierte NutzerInnen ihre Konzepte einreichen, auf der anderen Seite werden Angebote von EigentümerInnen, ihre Immobilie zur Verfügung zu stellen, aufgenommen, und mit den NutzerInnen in Verbindung gebracht. Neben dieser Vermittlungsfunktion werden weitere Aktivitäten rund um die Königsplätze organisiert. Beispiele für diese Art von koordinierter Zwischennutzung gibt es einige in Deutschland, auch die ZwischenZeitZentrale (ZZZ) aus Bremen verfolgt diesen Ansatz – mit Erfolg.

Auch im Paderborner Projekt sind die ersten Erfolge sichtbar. Vielbeachtet, aber analog bereits verschwunden ist das ehemalige Haus der offenen Tür (HoT) in der Marienstraße 24, das erste Projekt, in welchem vom 27. Juli bis 11. August 2014 Tim Pickartz und Miriam Schröder das Projekt Perspektive: Abriss. kuratierten. Das Haus wurde 15 Tage vor seinem Abriss zum Ort der Kunst – im Gebäude ohne Zukunft waren viele Dinge möglich, die sonst nicht zu Stande kommen. In 2015 wird es eine Publikation zu dieser Intervention geben.

Bestandteil des Kunstprojekts: der Abriss

Bestandteil des Kunstprojekts: der Abriss

Im viel genutzten, aber wenig geschätzten Mariengässchen findet zur Zeit der künstlerisch-architektonische Adventskalender Ankommen statt, der im Wesentlichen aus zwei Elementen besteht: zwei ausgerichtete, raumhohe Spiegelwände ermöglichen erstmals einen Durchblick vom kleinen Königsplatz bis zum Marienplatz. Zusätzlich wird im erhellten Knick der Gasse täglich ein neuer Gegenstand auf einem polierten Sockel präsentiert. Der Schriftzug „woherwohin“ markiert die Eingänge des Gässchens und verweist auf verschiedene Aspekte des Titels „Ankommen“.

woherwohin | Schriftzug am Eingang zum Mariengässchen | Konzept: Carsten Schade, Maike Häber, Karin Hartmann | Foto: ©Carsten Schade

woherwohin | Schriftzug am Eingang zum Mariengässchen | Kunst: Carsten Schade, Maike Häber, Karin Hartmann

Auf der anderen Seite der Königsplätze, zur Westernmauer hin, wird es einen neuen innerstädtischen Veranstaltungsort geben. Ein Laden in der Fußgängerebene oberhalb der Treppe am Geschäft Foto Steinwachs wird durch Ausstellungen, Lesungen und Theater bespielt – ab Januar wird es einen vielseitigen Veranstaltungskalender geben, der auch online einzusehen ist. Schon jetzt gibt es etwas zu sehen: Marie Wittköpper stellt bis Anfang Januar ihre Grafiken aus.

Laden des Zwischenstand e.V. | Kunst: Marie Wittköpper

Laden des Zwischenstand e.V. | Kunst: Marie Wittköpper

Organisiert wird der Ort vom Verein Zwischenstand e.V., einer Gruppe von Akteuren aus der Paderborner Kunst- und Kulturszene. Der Verein möchte alle Aktiven aufnehmen, die im Rahmen des Projekts der Stadt zu ZwischennutzerInnen von Immobilien werden. Gleichzeitig sind gemeinsame Veranstaltungen und Aktionen geplant. Am 14.01.15 stellt der Verein sich mit Einstand Zwischenstand vor, 19:00 Uhr im Laden an der Westernmauer 12 – 16. Save the Date!

Last but not least wird es eine kleine Zelle außerhalb der Königsplätze geben, die aber dennoch mit dem Projekt zu tun hat. Im ehemaligen Kiosk Am Abdinghof / Ecke Marienplatz wird die Schaulade eine Heimat finden. Eine Gemeinschaft aus vier KünstlerInnen und ArchitektInnen wird den Kiosk als Atelierraum nutzen – darüber hinaus ist geplant, Neues und Altes über die Königsplätze (her)auszustellen. Schaulade = Schaulager + Schublade, ein kleiner Ort, an dem Dinge präsentiert und aufbewahrt werden, die mit Kunst und Architektur zu tun haben.

Wartet auf Befüllung: die Schaulade

Wartet auf Befüllung: die Schaulade

Ich freue mich auf ein spannendes Jahr 2015 mit all diesen Aktivitäten. Mögen Alle ein gutes Händchen haben, ihre Projekte auf den Weg und ihre Kunst an den Tag zu bringen und die Stadt nicht nur mancherorts wieder- und weiterzunutzen, sondern sie sich auch zu Eigen zu machen!