CINCOCUESTIONES // Kai Dolata, urbikon.com

Kai_DolataIm Oktober habe ich Kai Dolata zum Thema Baukultur befragt. In einer Zeit, in der barocke Gebäude der sächsischen Metropole wieder errichtet wurden, studierte er an der TU Dresden. Seine Auseinandersetzung mit Städten führte ihn in der Gruppe urbikon.com nach Leipzig und Berlin. Zwischen 2004 und 2008 lehrte er Stadt- und Regionalplanung an der Universität Kassel. Er entwickelte mit Stefan Rettich Zukunftsstrategien für Regionen in Sachsen-Anhalt (www.republik-harz.de) und war im Beirat der Regionale Südwestfalen (regionale.suedwestfalen.com). Seinem digitalen Interesse folgend ist er seit 2013 bei ART+COM (artcom.de) als Projektleiter beschäftigt. Er gründete 2012 den gemeinnützigen Verein Flussbad Berlin e.V. (http://flussbad.berlin), der die Umwandlung des Berliner Kupfergrabens in einen innerstädtischen Schwimmbereich mit natürlicher Pflanzenfilteranlage kommuniziert und ist seit 2014 Mitglied des Vereinsvorstands. Ich bewundere sein Gespür für Innovationen im Bereich Kunst und Architektur und war daher ganz beonders gespannt auf seine Antworten!

Hallo Kai Dolata, was verstehen Sie unter Baukultur?

Unter Baukultur subsummiere ich den qualitativen Ausdruck gebauter Umwelt und dessen Wahrnehmung. Nun ist Qualität sehr subjektiv und wird geprägt durch Erfahrungen und Erlebnisse im persönlichen Umfeld, durch Bildung, durch Medien und Vorgelebtem. Im Idealfall entspricht sie in Raum, Form, Farbe, Oberflächen, Technik, Veränderlichkeit, Proportionen etc. einer Vorstellung, der alle zustimmen können. Doch dieser Idealfall ist nur selten Realität. Gelebt wird sie sehr individuell.

Baukultur lässt sich erlernen auf verschiedenen Wegen. Man kann sie vorgesetzt bekommen durch Gesetze oder Verwaltungsakte, mit Gestaltungssatzungen und –beiräten. Man kann sie kaufen in Baumärkten und über Kataloge oder Magazine. Man kann sie sich selbst erschaffen oder einfach nur leben. Den verschiedenen Annäherungen gemein ist, dass man sich wohl fühlt, wenn man sie hat oder in ihr ist. Dem Nachbarn geht es da wahrscheinlich genauso, in seiner eigenen Baukultur.

Was ist der USP (Unique Selling Point) von Baukultur?

Den sollte es nie geben! Vielfalt ist das Prinzip. Man kann vielleicht Regeln oder Richtlinien festlegen, doch keine Einheitlichkeit. Ich plädiere eher für einen baukulturellen General Selling Point (GSP).

Wie kann Baukultur entstehen?

Gesellschaftliche Erkenntnis- und Anerkennungsprozesse! Und weniger „Geiz ist geil“! Gute Dinge sollte man sich was kosten lassen.

Wie kann Baukultur in Zeiten des Klimawandels unsere Welt besser machen?

Das inhaltliche Spektrum von Baukultur ist sehr breit und es passt sich ständig den Umwelterfordernissen an. Dabei werden sowohl schlummernde Erfahrungsschätze gehoben als auch technische Neuerungen eingesetzt. Und wir sind aufgrund unserer Geschichte, unserer Bildung und unseres Pioniergeistes in der Lage, einen enormen Beitrag zur Nachhaltigkeit beizusteuern.

Wie ist Ihre Vision von einem Ort, in dem Baukultur gelebt und umgesetzt wird?

Ich möchte beim Anblick von Neuerungen meiner Nachbarn einen Aha-Effekt erleben und hoffe, den Nachbarn geht es mit meinen ebenso.