CINCOCUESTIONES // Jan Kampshoff, modulorbeat (MS)

FB_Jan KopieIm September möchte ich Euch im Rahmen der CINCOCUESTIONES – 5 Fragen zur Baukultur Jan Kampshoff vorstellen. Er selbst nannte sich einmal ambitious architect, sehr zutreffend für seine leidenschaftlich wie ernsthafte Haltung zu Architektur und Baukultur. Jan Kampshoff ist Architekt und Partner im münsterschen Büro modulorbeat, das durch seine temporären Projekte international Aufmerksamkeit erzeugt und vielfach ausgezeichnet wurde. Ihr jüngstes Projekt One Man Sauna geht gerade durch Fachpresse und Blogs. Als Hochschullehrer an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland und als Aktivist in mehreren Initiativen ist Jan Kampshoff auch stark in der Vermittlung von Baukultur tätig.

Herr Kampshoff, was verstehen Sie unter Baukultur?

Baukultur beschreibt für mich die Qualität der gebauten Räume mit der unsere Gesellschaft Ihre Umwelt prägt. Dazu gehört die ganze Palette an Baustellen: Vom Einfamilienhaus zum Shoppingcenter über das Logistikzentrum bis zum Dorfplatz. Als eine von vielen Kulturleistungen ist die Baukultur in dieser Form ein wichtiges Ausdrucksmittel – bewusst und oft auch unbewusst.

Was ist der USP (Unique Selling Point) von Baukultur?

Gute Baukultur schafft Identität prägt Lebensräume, in denen wir uns gerne aufhalten. An solche Räume sind oft individuelle und kollektive Erinnerungen geknüpft, die für die Entwicklung eines Selbstverständnisses unserer Gesellschaft eine hohe Bedeutung haben können.

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switch |Skulptur Projekte Münster 2007 | ©Christian Richters

Wenn wir aber über Selling Point reden, stellt sich natürlich die Frage der Zielgruppe, die für den durch Baukultur entstehenden Mehrwert auch bezahlen soll. Die Marketing-Logik mit der Frage nach einen „USP“ ist hier nicht zielführend, da gute Baukultur letztlich eine gesellschaftliche Herausforderung darstellt und nicht einfach „nur“ ein Produkt, das man kaufen kann.

Wie kann Baukultur entstehen?

Gute Baukultur bedarf viel Kommunikation und Vermittlung bei allen Beteiligten: Bei Bauherrn, Nutzern, in Politik und Verwaltung, sowie natürlich auch bei den Planern, Architekten und bei denen die Baukultur direkt umsetzten. Das ist oft anstrengend, da bei vielen Projekten gute Baukultur bestenfalls als positiver Nebeneffekt betrachtet wird, nicht als wichtiges, zu erreichendes Ziel.

Daher ist es wichtig die Baukultur auf vielen Ebenen (wie zum Beispiel auf Blogs wie diesem…) zum öffentlichen Thema zu machen und gute Baukultur durch intelligente Programme zu fördern.

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one man sauna |Bochum 2014 | ©Jan Kampshoff

Wie kann Baukultur in Zeiten des Klimawandels unsere Welt besser machen?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich in erster Linie ein vernünftiger Umgang mit dem, was da ist – und zwar materiell, wie kulturell. Das hat viel mit Respekt und Verständnis von den (bau)kulturellen Leistungen zu tun, die unseren Lebensraum bereits prägen. Die Debatte um Klimawandel und Baukultur scheint vor allem von denen bestimmt zu sein, die am stärksten davon profitieren: Den Lobbyisten der Dämmstoffindustrie und Heizsystemproduzenten. Sie liefert viele Gründe für immer dickere Wärmedämmung und den Austausch alter Heizsysteme. Mit Nachhaltigkeit im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise hat das eher wenig zu tun.

Wie ist Ihre Vision von einem Ort, in dem Baukultur gelebt und umgesetzt wird?

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goldene werkstatt | Münster 2012 | ©Christian Richters

Solche Visionen habe ich eigentlich nicht. Wir versuchen als Büro in der Realität und als Dozenten in der Lehre an unterschiedlichen Hochschulen dem Anspruch einer guten Baukultur gerecht zu werden. Die beste Motivation dafür ist Begeisterung für Stadt, Architektur, Raum und natürlich auch für Menschen. Wenn sich diese Begeisterung auf die Projektbeteiligten überträgt, entstehen oft die besten Ergebnisse. Der Lust-Faktor kommt leider in der Debatte um die Baukultur viel zu kurz, dabei ist die „Lust“ oft ein entschiedener Motor für gute Projekte.