Lieb gewonnene 50er-Jahre-Architektur

Ich finde es sehr verstörend, besonders mit welchem Stolz in den Medien die Neuigkeit präsentiert wurde, dass zwei schöne 50er-Jahre-Häuser am Liboriberg 23 und 25 durch ein einziges, viel zu hohes Gebäude im Stil ‚deutsche Investorenarchitektur der 10er-Jahre‘ ersetzt werden sollen.

Nicht erhaltenswert: Gebäude der 50er Jahre am Liboriberg 25

Nicht erhaltenswert: Gebäude der 50er Jahre am Liboriberg 25

Paderborn ist ein Paradebeispiel für einen gelungenen Wiederaufbau nach einer 85%igen Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Gebäude wie diese am Liboriberg prägen das Bild unserer Stadt genauso wie historische Gebäude – meiner Meinung nach sind sie teilweise schon zu historischen Gebäuden geworden. Frei nach Adolf Loos soll man nur neu bauen, wenn man so den Standort verbessert.

Der Liboriberg ist noch eine der angenehmen Straßen der Stadt, auch deshalb, weil die Architektur auch auf der Seite der Bahnschienen eine angenehmes, maßstäbliches Gegenüber zur Bebeauung der Stadtmauer bildet. Die Liborigalerie sprengt diesen Maßstab – und wird zur Meßlatte für das neue Gebäude, welches vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen mehrgeschossig sein soll. Diese Unterschiedlichkeit wird, bei allem Respekt für die persönlichen Hintergründe dieser Entscheidung und der Arbeit meiner KollegInnen, zur De-Harmonisierung dieser Straße beitragen. Ganz abgesehen davon bleibt es wenig nachvollziehbar, wieso für ein funktionierendes, durch ein Büro genutztes Gebäude von heute auf morgen eine Abrissgenehmigung erteilt werden soll.

Gerade noch genutzt: Liboriberg 23

Vor wenigen Wochen noch in Nutzung, in Kürze nicht mehr da: Gebäude am Liboriberg 23

Ich wünsche mir eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema, denn der Abriss und die Überbauung der 50er-Jahre-Architektur ist neben der Dämmung von Außenfassaden für die Stadt sehr Stadtbild verändernd. Entsteht hier neue Identität? Ich kann es mir nicht vorstellen. Vielleicht werden es meine Enkelkinder können.

[Die lokale Presse berichtete hier zu dem Projekt.]