CINCOCUESTIONES // Ulrike Rose, Flussbad Berlin

ulrike_rose_karin_hartmann_baukultur_paderbornFür den Juli beantwortete Ulrike Rose meine fünf Fragen zur Baukultur. Zum Glück! Ulrike ist Kulturmanagerin, aber schon sehr lange mit der Baukultur verbunden. Sie war Geschäftsführerin und ist neu gewähltes Vorstandsmitglied des Förderverein Bundesstiftung Baukultur e.V. und der Landesintitiative StadtBauKultur NRW in ihrer letzten Dekade. Bis letztes Jahr leitete sie das Museum Insel Hombroich. Seit Herbst unterstützt sie eines der ambitioniertesten Architektur- und Stadtentwicklungsprojekte der Republik: das Flussbad Berlin, initiiert durch realities:united.

Was verstehen Sie unter Baukultur?

Baukultur bedeutet für mich zu allererst mehr Lebensqualität – unmittelbar, spürbar und von Jedermann. Ich freue mich auf die Zeiten, in der Baukultur ebenso selbstverständlich in unserem Wortschatz verankert ist wie die Kultur. In meiner Wahrnehmung hat sich hier schon viel getan – der Begriff findet sich schon weitaus mehr als zu Beginn der deutschlandweiten Initiativen für Baukultur um die Jahrhundertwende im Sprachgebrauch wieder.

Was ist der USP (Unique Selling Point) von Baukultur?

Durch Baukultur wird die Welt vielleicht ein klein wenig besser. Und nicht nur schöner…

Wie kann Baukultur entstehen?

Baukultur beginnt mit dem guten Gespräch und dem genauen Betrachten des Vorhandenen. Warum wollen wir an diesem Ort was verändern? Was soll gebaut werden, für wen und warum? Was verändert sich dadurch an dem Ort und wie erreichen wir, dass die Veränderung einen Mehrwert für die Menschen bedeutet? Wie teilen wir diesen Mehrwert mit Anderen, wie hegen und pflegen wir das Geschaffene? Wie lebt und arbeitet es sich in den geschaffenen Architekturen, den weitergebauten Städten und veränderten Kulturlandschaften?

Wie kann Baukultur in Zeiten des Klimawandels unsere Welt besser machen?

Eine schöne Frage! Oft wird Baukultur nur auf den Begriff Schönheit reduziert, dabei bedeutet Baukultur weit mehr und damit auch den klugen Umgang mit Ressourcen. Die Verzahnung von Gestaltqualität mit Nachhaltigkeit ist eine Herausforderung. Ich beobachte hier, dass sich Architekten und Stadtplaner diesem Thema in dem letzten Jahrzehnt sehr zugewandt haben und eine nachhaltige Energieversorgung schon oft gleich mitgedacht wird.

Wie ist Ihre Vision von einem Ort, in dem Baukultur gelebt und umgesetzt wird?

Ein paar Städte scheinen es mit der Baukultur wirklich ernst zu meinen: Kleine Städte mit historischen Innenstädten, aber auch die großen internationalen Metropolen entwickeln baukulturelle Vorbildprojekte: Lemgo in Ostwestfalen setzt sich beispielsweise seit Jahren für hohe Qualität ein, auch Metz mit seinem eindrucksvollen Umgang mit dem öffentlichen Raum. Plätzen, an denen man lange verweilen möchte und Stadtgärtnern, die man sich für alle Städte wünscht. Paris mit seinen neu geschaffenen Fahrradwegen und dem wunderbaren Umgang mit dem Seine-Ufer, Tel Aviv mit seinen beeindruckenden Promenaden am Meer, New York mit der zu Recht vielgepriesenen Highline, Berlin mit den engagierten Prinzessinnengärten oder dem gelungenen Gleisdreickpark. Das alles sind für mich fabelhafte Beispiele, dass sich ein Einsetzen für Qualität für uns enorm lohnt. Auch wenn es manchmal nur Satelliten in der Stadt sind, der Anfang ist gemacht…