on stage: TATORT PADERBORN Phänomen Fußgängerzone

Am 29.05.2014 eröffnet die Ausstellung TATORT PADERBORN Phänomen Fußgängerzone – nach 2007 die zweite große Ausstellung zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum. Kuratiert wird sie von Florian Matzner, Professor für Kunstgeschichte in München und  Kurator der Emscherkunst.2013 im Ruhrgebiet.

Das zunächst etwas sperrig wirkende Thema ist hochaktuell. Es greift den Trend zum Urbanismus auf und stellt nicht nur einen greifbaren Bezug zu einem viel benutzten Stadtraum auf, dahinter liegende psychologische, gesellschaftspolitische und stadtentwicklerische Themen sind ebenfalls auf der Höhe der Zeit. Fragen wie: Welche Funktionen erfüllt die Innenstadt? Brauchen wir in Zeiten von Internet und Strukturwandel noch eine Fußgängerzone? Ist Konsumverzicht und Sharing die Alternative zur Kaufmeile auf dem Weg zu einer besseren und gerechteren Welt?

Christoph Gockel-Böhner, Leiter des Kulturamtes Paderborn bezeichnete die KünstlerInnen in diesem Zusammenhang im Gegensatz zur Stadtplanung als ‚Grundlagenforscher’. Er wünscht sich, dass Menschen ‚nachdenken und drüber reden’ und sich Impulse für andere Städte aus dem Projekt ableiten lassen.

Marktwagen SLOe / Illustration © dilettantin produktionsbüro

Marktwagen SLOe / Illustration © dilettantin produktionsbüro

Florian Matzner teilt die dargestellten Objekte thematisch ein: Während z.B. Claudia Brieske mit Ihrer Pferdelunge geschichtliche Aspekte des Domplatzes aufgreift, hat die Arbeit SLOe, ein Marktwagen, der sich in die Umgebung einpasst, mit dem Slogan ‚Tu dir Gutes‘ eher den Konsum zum Thema. Die Arbeiten von Dorothee Golz und Markus Ambach verfremdeten Stadtmobiliar. Verschiedene bereits bekannte Kunstwerke werden ebenfalls noch einmal gezeigt, wie z.B. die Franziskus-Filme von Marc Weis und Martin de Mattia.

Auch in der Kunstvermittlung geht Florian Matzner interessante und aktuelle Wege. Ein Übersichtsplan zeigt alle Objekte mit Ort und kurzer Beschreibung auf. Steht man ratlos oder sinnierend vor dem Stück Kunst, kann es passieren, dass man von einem ArtScout angesprochen wird und in ein Gespräch über Kunst verwickelt wird, ausgebildete Paderborner Studierende aus dem Fach Kunstvermittlung wurden eigens für den TATORT PADERBORN ausgebildet – eine sehr freundliche Aufnahme.

Das Presse-Preview versprach eine vielseitige Auseinandersetzung mit dem Thema Fußgängerzone. Wünschenswert wäre, dass von Paderborn ein überregionaler Diskurs ausginge, der – durch die Kunst inspiriert – auch andere Disziplinen erreicht.

Können wir mit dem Begriff Fußgängerzone in fünfzig Jahren noch etwas anfangen? Wird es noch Innenstädte geben? Die Ausstellung gibt wertvolle Impulse, darüber nachzudenken. Ich freue mich auf einen langen, inspirierenden Kunstsommer!