…darf es ein bisschen Weniger sein?

Am 21.05.2014 fand in Darmstadt der Kongress ‚Besser Anders Weniger – Suffizienz in der Baukultur’ statt. Die db-Redaktion hatte in die Centralstation in der Stadtmitte von Darmstadt geladen.

Als prominenter Verfechter von Suffizienz als Teil einer Postwachstumsgesellschaft hielt Harald Welzer den Auftaktvortrag. Er geißelte mit seiner selbst ernannten ‚ungepflegten Polemik’ die Auswüchse der Wachstumsgesellschaft und die daraus folgende Entmündigung seiner Nutznießer.

arnesteffen

In Besinnung auf die 60er Jahre forderte er dazu auf, zu reflektieren: Was war eigentlich die Frage, auf die wir mit einem Wirtschaftswachstum eine Antwort geben wollten? Damit stellte er pointiert heraus, dass Wirtschaftswachstum an sich kein Ziel war, sondern nur dem Zweck diente, ein zufriedeneres Leben zu führen – ein Ziel, das heute scheinbar nur noch mit Konsum zu erreichen ist.

Die nachfolgenden Referenten kreisten das Thema der Konferenz von unterschiedlichsten Seiten ein, angefangen mit wissenschaftlichen Untersuchungen durch das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie über Architekturen mit nachhaltiger Arbeitsweise bis hin zur Vorstellung der Nachhaltigkeitsziele von Bilfinger.

Während die Mit-Initiatoren Arne Steffen und Thomas Lückgen von werk.um Architekten viele Gedanken zur Umsetzung einer Suffizienz vorstellten, wurde im großen Kreis immer wieder über die fehlenden Anreize zur Umsetzung einer reduktiven Baukultur in einer wachstumsorientierten Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert.

Das Thema Suffizienz ist in der (Bau-)Wirtschaft immer noch gänzlich unterbelichtet. Verständlich – Nicht-Bauen erscheint erst mal unsexy, als ‚Auftragsversprechen‘ erst recht.

Dennoch gibt es schon viele Ansätze, die weitergedacht und weitergeführt werden können. Sei es von Muck Petzet, der schon 2012 mit der von ihm kuratierten Architekturbiennale und dem Slogan RRR – Reduce, Reduce, Recycle einen Meilenstein setzte bis hin zum Erfolg der Konzepte von Lacaton und Vassall. Ein Betrachtung junger Kunst und Architektur lohnt ebenfalls.

Die Konferenz der db war ein weiterer Baustein auf dem Weg, dieses interessante Thema auf breiter Ebene und unter Kollegen zu diskutieren.

centralstation Darmstadt / Foto Karin Hartmann

centralstation Darmstadt / Foto Karin Hartmann

Podiumsdiskussion / Foto Karin Hartmann

Podiumsdiskussion / Foto Karin Hartmann