Ein Jahr Baukultur

‚Baukultur, Paderborn’ wird ein Jahr alt! Im März letzten Jahres habe ich beschlossen, auf Facebook eine Seite mit Informationen und Kommentaren zur lokalen und überregionalen Baukultur zu bespielen. Dazu kam ab Mai ein eigener Blog. Seitdem ist viel passiert – ich habe vieles geschrieben und initiiert, mit folgender Bilanz:  1 Baukultursalon, 55 Blogbeiträge, 17 Kommentare, 2 Veröffentlichungen in Fachverlagen, ca. 220 Postings, 610 Tweets viele Abonnenten und ein sehr großes überregionales Feedback.

Mit soviel Interesse für Baukultur, welches nach Riklef Rambow ‚ein ähnlich esoterisches Thema [ist] wie Neue Musik oder Tanztheater‘ hatte ich nicht annähernd gerechnet!

Warum ein Baukultur-Blog? Nach 14 Jahren in Dresden erschien mir das Thema Baukultur in Paderborn unterrepräsentiert gemessen an der Größe der Stadt. Baukultur – was ist das? Und was soll Baukultur eigentlich bewirken? Als Architektin brenne ich naturgemäß für dieses Thema, als langjährige Wettbewerbsbetreuerin mit eigenem Büro weiß ich, was man an Orten durch eine gute Bau-Kultur und die dazugehörigen Prozesse erreichen kann.

In den letzten 12 Monaten habe ich unheimlich viel gelernt und viele interessierte und interessante Menschen getroffen. Gesichter der Stadt, die kulturell etwas bewegen möchten und über den Tellerrand blicken. Dazu habe ich auch viele Akteure der Baukultur auf Länder- und Bundesebene kennengelernt und mich mit neuen Perspektiven des Bauens auseinandergesetzt.

Das Paderborner ExWoSt-Projekt ‚Baukultur in der Praxis’, welches im April nach zwei Jahren leider zu Ende geht, war ein Lichtblick für die Stadt. Höhepunkt war nach meiner Ansicht im Mai 2013 die Woche der Stadtdenker, wo es darum ging, die Menschen auf der Straße für Baukultur zu begeistern. Dies ist Turit Fröbe und ihrer Gruppe gelungen. Die daraus entstandene Publikation wird uns lange davon erzählen.

Auch auf dem von mir und Kerstin Lohmann organisierten #baukultursalon im Dezember 2013 habe ich mit vielen Blog-LeserInnen gesprochen und den Eindruck gewonnen: das Thema trifft einen aktuellen Nerv.

In Paderborn stehen einige große Bauaufgaben an – ich bin gespannt, wie und mit welchen Prozessen sie umgesetzt werden. Ich spiele dabei nicht nur auf Wettbewerbe an, das neue ‚Konzeptverfahren’ und die von der Stadt bei Dom- und Marktplatz praktizierten Werkstattverfahren zeigen, das es mehrere Möglichkeiten gibt, zu (guten) Ergebnissen zu kommen, unabhängig davon, ob man Flächen und Gebäude selbst nutzen möchte oder nicht.

Ich setze mich vor allem dafür ein, dass bei neuen Bauaufgaben, Sanierungen oder in der Stadtentwicklung hochwertige Ergebnisse entstehen, die so viele Interessen wie möglich abdecken. Ich bin überzeugt davon, dass Baukultur ein gutes Mitte ist, Identität zu stiften. Es treibt mir die Tränen in die Augen, wenn Chancen, einen Ort aufzuwerten oder bürgernah zu gestalten, ungenutzt bleiben, weil nur einseitige Interessen bedient werden oder Entscheidungen ausschließlich nach ökonomischen Gesichtspunkten getroffen werden.

Josef Mathis, der Bürgermeister der 3300-Einwohner-Gemeinde Zwischenwasser in Vorarlberg (AT), ausgezeichnet mit dem LandLuft-Baukulturgemeindepreis 2009 hat meine Gedanken hierzu wunderbar in Worte gefasst:

Jede Gemeinde [Stadt] steht vor der Grundsatzfrage: Bauen wir, um ein Raumprogramm ‚abzuspulen’, oder wollen wir mit dieser Investition im Dorf [in der Stadt] oder in der Region gemeinsam mit den Bürgern zusätzlich etwas bewegen?“

Ja, soviel wie möglich. So würde meine Antwort an Josef Mathis lauten.