‚Rückkopplung‘ – Klang, Licht, Installation

Vom 28. November bis 08. November 2013  findet die Klang-Licht-Installation von Carsten Schade und Conrad Berhörster in einem Leerstand in der Marienstraße 9 statt. Gestern wurde sie eröffnet – und ich hatte die Ehre, die Einführung zu halten. Den Text stelle ich hier auszugsweise ein mit der Empfehlung, sich dieses (ent)spannende Kunstevent im vorweihnachtlichen Trubel nicht entgehen zu lassen:

Vernissage 27.11.13. Foto: Carsten Schade

Vernissage 27.11.13. Foto: Carsten Schade

Yoko Ono: „Listen to each other’s pulse by putting your ear on each other’s stomach.“

Begegnung mit anderen – Begegnung mit uns selbst. Mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß kommen wir – aus umliegenden Dörfern, der Vorstadt oder aus der Innenstadt. Hier in einem leerstehenden Ladengeschäft unterhalb des Königsplatzes kommen wir zusammen.

Wer zu Fuß gekommen ist, hat vielleicht die Markierungen im Straßenraum bemerkt, vor anderen Leerständen in der Innenstadt. Orte des Stillstands, manchmal sogar Orte des Scheiterns. Carsten Schade hat an diesen Orten Zeichen aufgebracht, die den Weg hierher weisen. 

Vom Leerstand zur Verdichtung, von der Stille zum Geräusch, vom leeren Ort zum lebendigen Raum.

Vernissage 27.11.13. Foto: Carsten Schade

Vernissage 27.11.13. Foto: Carsten Schade

Das ist eines der Themen dieser Arbeit: Der Ort wird zum Raum – durch Menschen, die in ihm agieren und interagieren. Carsten Schade hat sich hierzu intensiv mit Raumtheorie, u.a. mit Michel de Certeau und Martina Löw auseinandergesetzt. Raum entsteht nach seiner Definition – in scharfer Abgrenzung zum Ort – indem man sich mit ihm in Beziehung setzt. 

Spuren durch Technik Wir sind unsere Wege hierher gegangen. Aber wir haben keine Spuren hinterlassen. Hinterlassen wir heute nicht überall Spuren?

Wir ‚commenten’, submitten’, ‚liken’.

Hier hinterlässt der Besucher akustische Spuren. Durch Mikrofone wird die Stimme des Besuchers aufgenommen und zeitversetzt an anderer Stelle des Raum wieder holt. In sog. Loops, wiederkehrenden „akustischen Schlaufen“ begegnet dem Neugierigen die eigene Stimme immer wieder. Sprechen viele Menschen, wird die Wiederholung zum Konzert. Dieses wird unterstützt durch den Einsatz von Licht proportional zur Sprache.

Vernissage 27.11.13. Foto: Carsten Schade

Vernissage 27.11.13. Foto: Carsten Schade

Supermarkt Aber wieso sollte jemand hereinkommen? Carsten Schade und Conrad Berhörster arbeiten mit den Techniken der Anziehung durch Neugierde. Analog der Verkaufsstrategie eines Supermarktes mit Laufkundschaft  versuchen sie, uns Passanten und Passantinnen in den Laden zu ziehen und Emotionen zu erzeugen. Ziel ist als Folgehandlung jedoch nicht der Konsum – sondern die Kommunikation.

Eine nicht genutzte Konsumfläche als Fläche der Kommunikation.

Mit der akustischen Wiederholung der eigenen Stimme und den assoziierten Lichtsignalen begegnen wir uns selbst und anderen Besucherinnen. Auch die Wegeführung im Grundriss ist eine Analogie zur Besucherlenkung in einem Supermarkt.

Und Sie? Sind Sie zufällig hier? Es gibt keine Zufälle.