Zwischennutzung. Auch eine Option für Paderborn?

Was ist Zwischennutzung?

Kurz gesagt, Kreativen zu günstigen Konditionen leerstehende Flächen zu vermieten, bis zu Marktpreisen weitervermietet wird. Die Stadtdenker haben es vorgemacht – die Ladenfläche am Marienplatz 18 wurde für eine Woche ihr Projektbüro. Hier zieht am 19.06. mit Nathalie Wecker die nächste kreative Nutzerin ein.

Klingt einfach, ist auch einfach. Aber welche mittelfristigen Folgen hat Zwischennutzung für die Stadt?

Kurzfristig werden Lücken geschlossen. Leerstand zieht Leerstand an. Mit der Vermeidung von ungenutzten Zonen im Stadtraum wird die Kontinuität gewahrt und eine Leerstandsspirale aufgehalten. Besonders problematische Flächen wie bspw. in Paderborn hinter dem Karstadt, würden belebt und so entschärft.

Mittelfristig interessant ist der Aspekt der „Kulturbildung“. Durch Zwischennutzung wird Kultur gefördert, die eventuell sonst gar nicht entstünde. So wird Kultur quasi in die Stadt implementiert und Zwischennutzung nicht nur zur pragmatischen Maßnahme, sondern zu einem Mittel der Stadtentwicklung. So entstand das Bild von der „Creative City“, für PlanerInnen seit einigen Jahren Synonym für eine heterogene, lebendige Stadt.

Geführt von den Architekten Klaus Overmeyer http://www.german-architects.com/de/pages/13_13_zwischennutzung_replik und Wolfgang Kil http://www.german-architects.com/de/pages/2213_gentrifizierung wird auch in Fachforen zu Pros und Cons der Zwischenutzung diskutiert.

In Frankfurt findet dieser Tage ein Kongress zum selbigen Thema statt http://radar-frankfurt.de/veranstaltung/2013/radar-der-kongress-frankfurt-kreativ-entwickeln. Auch sonst lässt sich die Stadt Frankfurt das Thema etwas kosten. Sie hat eigens hierfür ein Förderprogramm aufgelegt, durch das Zwischennutzung für die Kreativwirtschaft attraktiv wird: http://radar-frankfurt.de/sites/all/files/attachments/raeume-fuer-kreative.pdf.

Ist Zwischennutzung also nur ein Thema für Großstädte oberhalb der Millionenmarke? Hat dieses Thema in einer (noch) florierenden Innenstadt wie Paderborn überhaupt eine Berechtigung?

Ja und Nein. Metropolen haben natürlich andere Problemstellungen als kleinere Städte. Insbesondere in Berlin und den größeren Städten von Ostdeutschland, wo über Jahrzehnte ein Umstrukturierungsprozess stattfand, war Zwischennutzung eine willkommene Möglichkeit, Zeiträume bis zur Sanierung zu überbrücken und damit Bausubstanz zu retten.

Heute aber sind die Städte und Kommunen von anderen Prozessen bedroht. Die demografische Entwicklung, der Handel über das Internet und leider auch immer noch der Bau von Einkaufszentren vor der Stadt stellen permanente Forderungen an eine attraktive Entwicklung der Innenstädte.

Toll, dass der Marienplatz 18 sich zur Fläche für temporäre Kulturprojekte mausert. Schön wäre es, wenn dies nicht ein Zufall bliebe, sondern als bewusstes Instrument zur Bereicherung der Stadtkultur entdeckt würde.

Gut für den Markt, gut für die kreative Kultur, gut für die Stadt.