Unser Mariengässchen!

Zugang zum Mariengässchen am Marienplatz 18

Zugang zum Mariengässchen am Marienplatz 18

Ein Sträßchen ist im Moment Anlass zum Streit im Rathaus: das Mariengässchen, Verbindungsweg zwischen Marien- und Königsplatz. Diese Gasse ist schon lange ein Unort: eng, dunkel, uneinsehbar. Sie ist über die gesamte Länge überbaut mit Geschäftshäusern. Mit dem Verkauf der zugehörigen Grundstücke wurde das Problem an den Eigentümer, einen Investor, delegiert.

Dieser schlägt der Stadt nun in einem Entwurf vor, das Gebäude am Marienplatz abzureissen und an gleicher Stelle ein durchgestecktes Geschäftshaus mit Glasfassade zu errichten. Das ehemalige Mariengässchen soll, markiert an Boden und Decke, auf mindestens zwei Metern Bestandteil der Geschäftsflächen im Erdgeschoss werden. Eine Querung zwischen Marien- und Königsplatz wird somit nur noch zu Geschäftszeiten möglich – und natürlich nur dann, wenn es auch ein Geschäft gibt.

Ob diese Lösung zu einer Aufwertung der baulichen und städtischen Gesamtsituation beiträgt, bleibt anzuzweifeln. Vorschläge von Investoren unterliegen gewöhnlich nicht dem Ziel einer lebendigen, qualitätvollen Innenstadtgestaltung, sondern dem einer maximalen Rendite.

Nun. Die Stadt hält das Wegerecht auf den Grundstücken. Dieses war zum Kaufzeitpunkt bekannt und führte gewiss zu einer Kaufpreisminderung. Und das Wegerecht gilt ja auch nach Geschäftsschluss. Es gibt also Verhandlungsmasse.

Varianten sind gefragt. Diese sollten nach meiner persönlichen Einschätzung auch unter der Prämisse der Erhaltung des Hauses am Marienplatz eingefordert werden. Warum steht dieses Haus nicht unter Denkmalschutz? Es prägt den Marienplatz und weist mit seiner schwungvollen Geste in der Fassade wunderbar den Weg zum Königsplatz.

Eine andere Idee.

Wäre es nicht reizvoll, zwischen den Gebäuden einen Innenhof zu schaffen, der auf dem Weg zum Königsplatz passiert wird? Durch die Schaffung einer überraschenden Hofsituation entstünde in Verbindung mit dem sanierten Gebäude ein neuer, besonderer Ort. Durch den von beiden Seiten sichtbaren Einfall von Himmelslicht könnte das Mariengässchen zu einer kleinen, schmucken Gasse im Stadtraum werden, durch die man flaniert, Geschäftsflächen und einen kleinen Hof passiert, um schließlich am Königsplatz anzukommen.

Aus der Vogelperspektive wird der überbaute Hof sichtbar.

Aus der Vogelperspektive wird der überbaute Hof sichtbar.

Für die Stadt hieße das: Hart bleiben und Qualität einfordern!

Für den Investor hieße es: Mut zu wirklicher Nachhaltigkeit!

Diese gute Lage aufwerten durch die Schaffung eines wirklich attraktiven Ortes an einer öffentlichen Gasse, das wäre im Vergleich zu der Schaffung der immer gleichen Verkaufsflächen eine einzigartige, standortprägenden Lösung.

Die eingereichten Pläne und Fotomaterial finden sich hier: http://www1.paderborn.de/ris/interech.nsf/%28AllDocs%29/C12578E800514C7DC1257B67004159A6/$File/Anlage%201.pdf?OpenElement